| meine kindheit |
| Manchmal braucht man den Blick zurück um das Verhalten von heute zu verstehen. |
| Eine glückliche Kindheit? Na ja, Ansichtssache. Aufgewachsen in einer ach so gutbürgerlichen Familie auf dem Land. "Wohlbehütet" - eine "perfekte vorzeige Familie". Nur ist nicht alles Gold was glänzt. |
| Hier erst mal kurz einige "wichtige" Sätze, welche mich durch die Kindheit begleiteten: |
| - Bei Dir haben wir die Nachgeburt grossgezogen |
| - Du bist nichts |
| - Du wirst nichts |
| - Du kannst nichts |
| - Du bist schuld |
| - Schau dir mal deine Schwester an |
| Dies sind nur einige "Müsterchen". Mich bringe diese Äusserungen aber noch heute in gewissen Situationen an den Rand der Verzweiflung |
| Geboren an einem Sommertag im Kanton Thurgau, es war gerade die Zeit, als die Aprikosen am Spalierbaum ausreiften. In diesem Zusammenhang wurde mir immer wieder von Mutter erzählt, das, während sie in der Klinik war, mein Vater die erste, je an diesem Baum gereifte Aprikose, alleine gegessen habe. |
| Ich wurde als zweites Kind geboren. Meine Schwester ist 1 1/2 Jahre älter. Gewohnt haben wir in einem kleinen Dorf (damals gerade 400 Seelen) mitten in Mostindien. Meine Eltern besassen dort ein grosses, baulich sicher nicht gerade praktischem, älteren Haus, mit riesigem Garten sowie etlichen Umschwung. Das Haus stand leicht erhöht, was es mit sich brachte, das eine Seite (Wiese) sehr stark abfiel. Die Nachbarschaft bestand in der Mehrheit aus Bauern, was mir sehr gefiel. |
| Mit uns im Haus wohnte noch Oma, die Mutter meines Vaters, bis kurze Zeit vor Ihrem Tod. Sie besass darin eine Art kleine 2-Zimmer Wohnung, mit sep. Schlafzimmer und einem Wohnzimmer mit Kochnische. Nur das WC teilten wir zusammen, ansonsten lebte sie eher für sich. |
| Bei uns Zuhause wurde soviel wie möglich selber angepflanzt. Deshalb war der Garten auch, für mein damaliges dafürhalten, riesig. Es reihten sich akkurat Beet an Beet, mit Salat, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und was so alles dazugehört. Vieles der Gemüse wurde für den Winter eingelagert. Auch Obstbäume standen auf dem Grundstück. Erst die bekannten Hochstämmer später dann, im laufe der Zeit, die halbhochstämmer und die Kleinen. Für Vitamine war stets gesorgt. |
| Am Anfang kannten wir noch keine Tiefkühltruhe, da wurden Gemüse wie z.B. Möhren und Sellerie, noch in eine Kiste, mit Sand gefüllt, eingebuddelt und blieben so über den Winter Halbhochstämmer. Birnen etc. wurden in Sterilisiergläser abgefüllt und ebenfalls im Keller gelagert. Auch Unmengen von Kartoffeln befanden sich jeweils im Keller. Bei milden Wintern gab es vielfach dann eine entkeim Aktion der Kartoffeln so Anfang Frühling. Hat Spass gemacht, den Dingern die Keimauswüchse abzuknicken. |
| Gemüse- und Obsttechnisch gesehen - kann man sagen - Selbstversorger. Anders wäre es auch aus finanziellen Gründen gar nicht gegangen, Da mein Vater, als Hilfsarbeiter, nicht gerade ein goldiges Gehalt verdiente. |
| Der Gemüsegarten gehörte im Hauptteil zum Aufgabenbereich meiner Mutter. Mein Vater züchtete Hasen, mit welchen er an Ausstellungen auch schon Punkte holte, früher auch schon mal Meerschweinchen für eine Versuchsanstalt sowie eine Zeitlang auch Vögel wie Zebrafinken und Co. Aber in erster Linie war und ist er Imker aus Leidenschaft. Er war es aber auch, der sich um die Obstbäume kümmerte. Ich bin überzeugt, dass ihm, dem Bauernsohn, dies sehr viel Freude bereitet hat, obwohl es so viel Arbeit gab. |
| Doch dies war nicht alles was Vater neben der Arbeit tat, im Keller des Hauses besass er eine kleine Werkstatt, die sich nach bis nach, je nach seinen Bedürfnissen, erweiterte. Dort handwerkelte und schreinerte er in Perfektion. Das meiste was es im und ums Haus zu reparieren oder erweitern gab, machte er selber, inkl. einem Anbau an die Scheune für die Fahrräder. Auch den, für mich sehr schönen, Kaninchenstall hat er selber gebaut. Erst gezeichnet dann hat er sich ein Modell hergestellt und danach auch gebaut. Eben perfekt. |
| ch kann mich auch noch erinnern, an die Zeit, als wir noch keine Waschmaschine hatten. Dann war wirklich jeweils Freitag noch Waschtag und im Keller dampfte es. Da wurde die Wäsche noch gekocht und ausgewrungen. Eine, für heutige Verhältnisse, unsagbare Arbeit. |
| Ganz früher wurde das Haus mit Holz geheizt. Später, aber für die damalige Zeit früh, kam in einen Teil der Zimmer Ölöfen. Danach eine richtige Zentralheizung, ebenfalls mit Öl. |
| Überhaupt waren meine Eltern in vielen Punkten "modern". Denn für die damaligen Verhältnisse, hatten wir sehr früh eine Waschmaschine, eine Tiefkühltruhe, eine Zentralheizung, ein Fernseher und ein Auto. Mein Vater hatte als erstes Auto (das weis ich nur aus Erzählungen) einen Topolino. Ich kenne es nicht anders als das wir immer ein Auto hatten. Dafür kann ich mich noch erinnern, als meine Mutter Fahrstunden hatte und die Prüfung. Für das Auto wurde in einem Teil der Scheune, eine Art Garage eingebaut, welche mit feuerfesten Platten ausgekleidet war und ein relativ schweres Schiebetor hatte. Da mit den Jahren die Autos länger wurden und die Garage zu kurz, hat man einfach vorne aus der Wand ein Stück rausgenommen und eine Art Ausbuchtung angebaut. Sah lustig aus. So wuchs gewissermassen die Garage mit den Autos. |
| Einen Kindergarten gab es damals ebenfalls nicht im Dorf. So blieben wir Kinder einfach bis zur ersten Klasse Zuhause. Spielmöglichkeiten gab es im und ums Haus genug. Wobei es mit spielen im Haus nicht ganz unproblematisch war. Denn es musste jeweils alles stets wieder aufgeräumt sein, wenn Vater nach hause kam. Dies änderte erst, als das Esszimmer in ein Spiel- und Bastelzimmer umfunktioniert wurde, was ja erst mit dem Einbau der Zentralheizung möglich war. Draussen waren die Möglichkeiten praktisch unbeschränkt. In einem der vielen Gärten ums Haus standen gepflegte Gebüsche und eine riesige Eibe, welche ich als meinen absoluten Liebling erkor. Darin konnte ich versteckt klettern und war so aus dem Schussfeld meiner Schwester, welche angst vor dem klettern hatte. Sie schrie jeweils schon Zeter und Mordio bei der dritten Stufe einer Leiter. So hatte ich einen kleinen Freiraum. Obwohl sie, wenn ich im Baum war, meist zu Mutter rannte, Ihr erzählte ich wäre im Baum und Mutter mich dann schimpfend wieder hinunterzitierte. Denn schliesslich sollte ich mit meiner Schwester spielen. Nur waren Ihre Spiele halt selten mein Geschmack und vor allem musste meist immer alles nach ihrem Kopf gehen und wehe nicht, dann zettelte sie eine regelrechtes Gebrüll an oder eine Schlägerei. Was wiederum meine Mutter auf den Plan rief. Diese strafte jedoch nur allerhöchst selten meine Schwester, nein denn diese machte immer glaubhaft das ich mit dem Krach angefangen hätte, und so gab es Ermahnungen und Strafen sowie auch öfters Prügel für mich. Meine Schwester war halt lieb, brav, nett, machte sich selten schmutzig und war doch so verlogen. |
| Meine Schwester schaffte es die ganzen Jahre hinüber ihr Lieb-Image aufrechtzuerhalten. |
| Das bravste Kind war ich ganz bestimmt nicht, wenn man zu unartig, rumtoben - klettern und sich schmutzig machen dazuzählt. Eigentlich war ich ein ganz normales Kind ausgestattet mit viel Phantasie und Ideen. Hatte viel eine sehr enge Beziehung zur Natur, was sich auch dadurch ausdrückte das ich stunden lang in den Wäldern und über die Wiesen streifen konnte. Diese Streifzüge brauchte ich auch, um von zu Hause wegzukommen und meinen Kummer etwas zu vergessen. Denn Kummer hatte ich oft. Es ist nicht so einfach, in einer Familie aufzuwachsen, welche nach aussen hin die super optimale Familie scheint, im inneren jedoch nur die Worte der erstgeborenen Tochter gelten. |
| ............ später werde ich evt. mal daran weiterschreiben |